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GPS-Tracking mit Sportuhren und Smartphones – Technik, Genauigkeit und Tipps

GPS-Tracking ist aus dem Alltag von Technikfans und sportlich Aktiven nicht mehr wegzudenken. Ob beim Joggen, Radfahren oder Wandern – moderne Sportuhren und Smartphones zeichnen die zurückgelegte Strecke auf und liefern Tempo, Distanz und Höhenmeter. Doch wie funktioniert die Standortbestimmung eigentlich genau?

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Hier erklären wir dir möglichst verständlich, was hinter GPS steckt, welche unterschiedlichen Satellitensysteme es gibt und wie aktuelle Geräte durch Dual-Band-GNSS und Sensorfusion immer präzisere Daten liefern. Ausserdem betrachten wir die Unterschiede zwischen Smartphone und Sportuhr beim Tracking, typische Fehlerquellen (Stichwort GPS-Drift) und geben Tipps, wie man GPS-Daten richtig interpretiert. Ziel ist es, sowohl Technikinteressierten als auch sportlich aktiven Leser:innen zu zeigen, worauf es bei gutem GPS-Tracking ankommt.

Was ist GPS und was ist GNSS?

Der Begriff GPS wird oft umgangssprachlich für jegliche Satellitennavigation benutzt, eigentlich bezeichnet er aber das vom US-Militär entwickelte Global Positioning System. GPS ist somit nur eines von mehreren globalen Navigationssatellitensystemen – zusammengefasst unter dem Oberbegriff GNSS (Global Navigation Satellite System). Neben GPS (USA) gibt es nämlich Galileo (Europa), GLONASS (Russland) und BeiDou (China) als weitere GNSS-Konstellationen. Jedes dieser Systeme betreibt eine Flotte von Satelliten, die die Erde umkreisen und Navigationssignale aussenden.

Weltweit empfangen moderne Empfänger häufig Signale mehrerer GNSS gleichzeitig, um die Position zu bestimmen. So nutzt z.B. ein Smartphone typischerweise parallel GPS und Galileo (und oft GLONASS/BeiDou) – man spricht dann von Multi-GNSS. Durch diese Kombination erhöht sich die Anzahl sichtbarer Satelliten am Himmel, was zu besserer Abdeckung und Genauigkeit führt. GNSS ist also der Überbegriff, GPS ein einzelnes System darunter. Zum Verständnis:

GPS (USA): Ältestes GNSS, seit 1978 in Betrieb, heute ca. 30 aktive Satelliten. Weltweit verfügbar, zivile Standardgenauigkeit ca. 5 m im Normalbetrieb, mit modernen Dual-Band-Empfängern <1 m möglich.

Galileo (EU): Europäisches System (voll operativ seit 2016) mit ~30 Satelliten. Bietet von Anfang an Dual-Frequenz-Signale für höhere Präzision (teils <1 m) und ist speziell für zivile Anwendungen optimiert.

GLONASS (Russland): Russisches System (24+ Satelliten). Etwas geringere Einzel-Genauigkeit als GPS, aber robust insbesondere in nördlichen Breiten (dank Bahnneigung) und kombiniert mit GPS eine wertvolle Ergänzung in schwierigen Gebieten.

BeiDou (China): Jüngstes System (globaler Ausbau ~2020, über 45 Satelliten). In Asien-Pazifik führend und weltweit zunehmend integriert. Bietet neben Positionierung auch Spezialfunktionen (Nachrichtenübermittlung), ist aber vor allem in Kombination mit anderen GNSS interessant.

GPS vs. GNSS: Während also umgangssprachlich oft von GPS die Rede ist, nutzen heutige Sportuhren/Smartphones meist GNSS-Multi-Konstellation. Das heisst, sie empfangen parallel Signale von GPS und Galileo, oft auch GLONASS und BeiDou, um die bestmögliche Positionsbestimmung zu erreichen. Im Ergebnis sieht man auf dem Gerät weiterhin Koordinaten (Breite/Länge) – aber die Datenbasis ist breiter und ausfallsicherer als zu Zeiten, als nur GPS verfügbar war.

Wie funktioniert GPS technisch?

Die technische Funktionsweise der GPS-Ortung beruht auf präziser Zeitmessung und Geometrie. Prinzipiell senden die Satelliten kontinuierlich Funksignale mit codierten Zeitstempeln und ihren Bahn-Informationen aus. Ein GPS-Empfänger (z.B. in der Uhr) empfängt diese Signale und misst die Laufzeit: Aus der Laufzeit c (multipliziert mit Lichtgeschwindigkeit) berechnet er die Entfernung (Pseudorange) zum jeweiligen Satelliten. Da das Signal mit Lichtgeschwindigkeit (~300.000 km/s) unterwegs ist, erfordert die Zeitmessung atomuhrgenaue Synchronisation. GPS-Satelliten besitzen deshalb Atomuhren an Bord, und der Empfänger gleicht seine interne Zeit mit den Satellitensignalen ab.

Trilateration: Kennt man die Entfernung zu einem Satelliten, so befindet man sich irgendwo auf der Oberfläche einer gedachten Kugel um diesen Satelliten (Radius = Distanz). Mit drei Satelliten lassen sich in der Theorie zwei mögliche Positionen bestimmen (Schnittpunkt von drei Kugelflächen) – eine davon kann verworfen werden, da sie meist weit ausserhalb der Erdatmosphäre liegt. Allerdings muss der Empfänger auch seine eigene Uhrenabweichung mit einberechnen. In der Praxis benötigt man deshalb mindestens vier Satelliten, um die 3D-Position (Breite, Länge, Höhe) und die Zeitkorrektur eindeutig zu lösen. Drei Satelliten liefern die horizontale Position (2D) plus Synchronisation, mit einem vierten kommt die Höhe hinzu (3D-Fix). Moderne Empfänger nutzen oft gleichzeitig Signale von weit mehr als vier Satelliten (häufig 8-12 oder mehr gleichzeitig), indem sie die zusätzlichen Messungen via mathematischer Ausgleichsverfahren (Least Squares, Kalman-Filter) statistisch zusammenfassen. Dadurch erhöht sich die Genauigkeit, weil Messfehler sich mitteln und die Geometrie der Satelliten besser berücksichtigt wird.

Koordinatensystem: Die berechnete Position gibt das Gerät typischerweise als geografische Breite und Länge aus, basierend auf einem Erd-Koordinatensystem. Das gängige Referenzsystem für GPS ist WGS84 (World Geodetic System 1984) – ein globales Koordinatensystem mit Bezug auf ein Erdellipsoid. Alle GPS-Satelliten senden ihre Bahnparameter und Positionsdaten in diesem Bezugssystem, sodass Empfänger weltweit konsistente Koordinaten in Grad liefern können. Beispiel: Ein typisches GPS-Tracking zeigt Punkte als WGS84-Koordinaten an, die dann auf Karten (z.B. in der Sportuhr-App oder Google Maps) projeziert werden.

Single-Band vs. Dual-Band GPS/GNSS

GPS wurde ursprünglich mit einer einzigen Frequenz für zivile Nutzer betrieben (L1). Single-Band-GNSS-Empfänger nutzen dementsprechend nur eine Frequenzband pro Satellitensystem – typischerweise das L1/E1-Band (~1,575 GHz), auf dem GPS und Galileo ihre Hauptsignale für zivile Nutzer senden. Dual-Band-GNSS dagegen kann zwei Frequenzen parallel auswerten, meist L1/E1 und L5/E5 (bei Galileo z.B. E5a bei ~1,176 GHz). Warum ist das wichtig?

Ionosphärenkorrektur: Die Signale durchlaufen auf dem Weg zur Erde die Ionosphäre, welche frequenzabhängig die Laufzeit beeinflusst (Brechung und Verzögerung). Bei nur einer Frequenz kann der Empfänger diesen Fehler nur anhand grober Modelle schätzen. Mit zwei Frequenzen vom selben Satelliten lässt sich der Laufzeitunterschied direkt messen und so der Ionosphäreneinfluss weitgehend herausrechnen. Das erhöht die Grundgenauigkeit merklich, da ein wesentlicher Fehlerfaktor eliminiert wird. Professionelle GNSS-Geräte arbeiten aus diesem Grund seit langem mit Zwei- oder Mehrfrequenz-Technik – diese kostete früher allerdings mehrere tausend Euro. Heute finden Dual-Band-Chips ihren Weg in Consumer-Geräte.

Mehrweg-Effekte (Multipath): In städtischen Strassenschluchten oder engen Tälern können Satellitensignale von Gebäuden, Felswänden oder sogar dichtem Bodenbelag reflektiert werden und zeitverzögert beim Empfänger eintreffen. Der Empfänger bekommt dann neben dem direkten Signal auch „Geistersignale“, was zu Positionsabweichungen führt. Ein Dual-Band-Empfänger kann besser mit solchen Situationen umgehen: Moderne GPS-Chips hören dasselbe Satellitensignal auf zwei Frequenzen und erhalten dadurch mehr Informationen, um Mehrwegeffekte zu erkennen und auszufiltern. Die unterschiedlichen Frequenzen durchdringen oder reflektieren Umgebungen nämlich teils unterschiedlich – das Vergleichen beider hilft, falsche Laufzeitmessungen zu identifizieren. Ergebnis: In schwierigen Umgebungen (Grossstadt, Waldschluchten) bleibt die Position mit Dual-Band stabiler und springt weniger, während Single-Band öfter mal den Track versetzen kann.

Schematische Darstellung von Single-Band vs. Dual-Band GNSS in der Stadt. Links nutzt der Empfänger nur L1-Signale – Reflexionen an Gebäuden (rote Linien) führen zu verfälschten Distanzmessungen und einer ungenauen Position (roter Bereich). Rechts mit Dual-Band (L1 + L5) können zusätzliche Signalinformationen ausgewertet und fehlerhafte Signale erkannt (rotes X) werden. Die Positionsgenauigkeit (grüner Bereich) ist deutlich höher, da der Empfänger Mehrwege-Signale besser ausschliesst.

Das europäische Galileo-System sendet standardmässig auf Dual-Frequenz (E1 und E5a) für alle Nutzer. Auch GPS hat den L5-Signalbetrieb aufgenommen (voll ausgebaut ca. ab 2021). Viele neuere Sportuhren und Smartphones unterstützen diese Multiband-Nutzung. Beispiel: Das erste Smartphone mit Dual-Band-GNSS war 2018 das Xiaomi Mi 8; inzwischen sind Dualband-Chips in fast allen aktuellen High-End-GPS-Geräten Standard.

Nachteile: Dual-Band-GNSS benötigt mehr Hardwareaufwand und verbraucht etwas mehr Strom. Daher bieten einige Sportuhren einen konfigurierbaren Multiband-Modus, der bei Bedarf aktiviert wird. Ist er eingeschaltet, verkürzt sich allerdings oft die Akkulaufzeit spürbar. Dank fortschreitender Chip-Effizienz und Funktionen wie Garmins SatIQ (automatische Umschaltung der GNSS-Modi) wird dieses Problem aber entschärft. Im Alltag kann man Dualband z.B. für einen Stadtmarathon oder Trailrun im dichten Wald aktivieren und bei einfachen Bedingungen ausschalten, um Akku zu sparen.

Sensorfusion: Wenn GPS auf Barometer & Co trifft

GPS allein liefert bereits sehr viele Daten – doch moderne Sportuhren und Smartphones verlassen sich nicht ausschliesslich auf die Satellitensignale. Sie kombinieren sie mit anderen Sensoren an Bord, um ein vollständigeres und genaueres Bild der Bewegung zu erhalten. Diese Sensorfusion umfasst typischerweise:

  • Barometer (Höhenmesser): Ein barometrischer Drucksensor misst den Luftdruck und kann daraus sehr feinfühlig Höhenänderungen ableiten. Das ist viel relativer genauer als Höhenmessung per GPS, die anfällig für Rauschen ist. Hochwertige Geräte nutzen daher den Barometer für die sekundengenaue Höhenaufzeichnung, sodass das Höhenprofil glatt und realistisch ist. GPS dient dabei im Hintergrund zur Autokalibrierung: In regelmässigen Abständen überprüft das Gerät die barometrische Höhe mit der per Satellit ermittelten absoluten Höhe, um langsames Abdriften durch Wetteränderungen zu korrigieren. Diese Fusion vereint das Beste aus beiden Welten – der Barometer gibt die relativen Auf/Ab-Bewegungen exakt wieder (z.B. kann er eine Höhenänderung von wenigen Metern erfassen), und das GPS stellt sicher, dass der absolute Höhenwert längerfristig stimmt und nicht durch Luftdruckschwankungen verfälscht wird. Ergebnis: Sehr genaue summierte Höhenmeter und realistische Höhenprofile, was speziell für Bergsportler wichtig ist.
  • 3D-Beschleunigungssensor / Gyroskop: In praktisch allen Smartphones und Sportuhren sind Beschleunigungssensoren (oft 3-achsig, inkl. Gyroskop) verbaut. Sie erfassen Bewegungen, Drehungen und Erschütterungen des Geräts. Diese Daten kann das Tracking-System nutzen, um z.B. Schritte zu zählen, die Schrittfrequenz zu ermitteln oder Richtungswechsel zu erkennen – unabhängig vom GPS. Ein Gyroskop erkennt Drehbewegungen; damit „spürt“ die Uhr, wenn man abbiegt oder sich orientiert, selbst wenn das GPS-Signal kurz schwächelt. Einige Hersteller nutzen diesen Umstand gezielt: So verfügen z.B. neuere Laufuhren über spezielle Track-Mode-Algorithmen, die dank Bewegungssensor wissen, wann man in einer Kurve auf der Laufbahn läuft, um das GPS dort zu korrigieren. Auch bei kurzzeitigem GPS-Ausfall (Tunnel, dichte Innenstadt) kann das System per Inertialmessung die Lücke überbrücken. Ein bekanntes Beispiel ist Suuntos FusedTrack-Technologie: Bei reduziertem GPS-Intervall (um Akku zu sparen) werden die dazwischenliegenden Bewegungen mittels Beschleunigungssensor rekonstruiert, damit der Track trotzdem recht genau bleibt.
  • Kompass (Magnetometer): Ebenfalls oft an Bord ist ein elektronischer Kompass, der das Erdmagnetfeld nutzt. Dieser Sensor hilft vor allem bei der Kartennavigation – er zeigt die Himmelsrichtung an, in die man gerade blickt oder sich bewegt. Für die eigentliche Positionsberechnung ist er nicht nötig, aber im Zusammenhang mit GPS ermöglicht er z.B., dass eine Kartenanzeige auf der Uhr sich korrekt nach der Laufrichtung ausrichtet, auch wenn man gerade steht (GPS kann Richtung nur aus Bewegung ableiten).

Durch diese Sensorfusion werden Tracking-Daten stabiler und aussagekräftiger. Beispiel Höhenmessung: GPS-Alleineinsatz würde oft zig Meter Höhenrauschen produzieren (ein auf der Stelle stehender GPS-Empfänger „wandert“ in Höhenangabe gern ±15 m). Mit Barometer-Unterstützung hingegen sieht das Höhenprofil glatt aus und kleine Hügel werden realistisch erfasst. Die Uhr merkt dank Sensoren auch, wenn man z.B. im Tunnel weiterläuft (Beschleunigungssensor zählt Schritte, Gyro hält die Richtung), und kann so am Tunnelausgang die Position plausibler weiterführen, statt einen Ausreisser zu erzeugen. All diese Hilfsmittel sorgen dafür, dass insbesondere Sportuhren in Sachen Track-Qualität oft verlässlicher sind als einfachste GPS-Logger. High-End-Modelle (Garmin Fenix, Coros Vertix, Apple Watch Ultra etc.) nutzen automatische Kalibrierung und Sensorfusion, ohne dass der Nutzer eingreifen muss – das Gerät justiert z.B. ständig die barometrische Höhe nach und gleicht GPS- und Bewegungssensor-Daten miteinander ab.

GPS-Tracking: Sportuhr vs. Smartphone – wo liegen die Unterschiede?

Viele nutzen zum Aufzeichnen ihrer Aktivitäten einfach das Smartphone in der Tasche, andere schwören auf dedizierte GPS-Sportuhren oder -Fahrradcomputer. Worin unterscheiden sich Smartphones und spezielle Sportuhren in Bezug auf GPS-Tracking-Qualität? Hier die wichtigsten Punkte:

  • Antenne und Gehäuse: Spezielle GPS-Geräte (Sportuhren, Tracker) haben oft grössere, hochwertige Antennen, die gezielt für optimalen Satellitenempfang positioniert sind (z.B. im Uhrenrand oder oben im Gerät). Smartphones besitzen aus Platzgründen nur kleine Allzweck-Antennen und werden zudem häufig in der Tasche oder Hand gehalten, was das Signal dämpfen kann. Eine Uhr am Handgelenk mit Sicht zum Himmel hat hier tendenziell Empfangsvorteile.
  • GNSS-Chipsatz: Sportuhren verwenden meist spezialisierte GNSS-Chips, die auf Genauigkeit (und stromsparenden Dauerbetrieb) optimiert sind. Smartphones nutzen eher kombinierte Chipsätze in ihren SoCs, die zwar ebenfalls sehr fähig sind, aber oft Energieeffizienz vor maximaler Präzision stellen. Zudem unterstützen aktuelle Premium-Uhren häufig Multi-Band-GNSS, was bei vielen Smartphones (noch) nicht in allen Modellen Standard ist.
  • Software-Algorithmen: Die Firmware von Sportuhren ist darauf ausgelegt, GPS-Daten für sportliche Zwecke zu filtern und zu glätten. Hersteller investieren viel in Optimierungsalgorithmen, um z.B. Ausreisser zu entfernen und Distanzen sauber zu berechnen. Dedizierte GPS-Geräte nutzen teils sehr ausgefeilte Filter und Kalman-Filtertechniken. Smartphones verlassen sich oft auf das Basissystem (Android/iOS Location Services), das eher allgemein gehalten ist. Dort können aus Energiespargründen Positionsupdates seltener kommen oder starker Datenfilter eingesetzt sein, was die Genauigkeit reduzieren kann. Kurz: Eine Sportuhr „weiss“, dass du z.B. auf der Laufstrecke wahrscheinlich dem Weg folgst, und könnte kleine GPS-Sprünge glätten, während eine einfache Tracking-App evtl. mehr rauschen zeigt.
  • Datenquellen (A-GPS & Co.): Smartphones nutzen zusätzliche Ortungsdaten wie WLAN-Netze, Bluetooth-Beacons oder Mobilfunkzellen, um den Standort zu verbessern oder schneller zu ermitteln. Das sogenannte Assisted GPS (A-GPS) liefert Anfangsposition und Zeit via Internet, was den Sat-Fix beschleunigt. Im Tracking selbst kann die Handy-App z.B. WLAN-Signale in Städten mit einbeziehen. Sportuhren ohne Mobilfunkanbindung hingegen verlassen sich rein auf GNSS-Satellitendaten (abgesehen vom initialen A-GPS-Download via gekoppeltem Smartphone). Dadurch haben Handys in Innenstädten teils einen Vorteil beim schnellen ersten Fix und können im Stand auch mal die Position anhand von Netzwerken schätzen. Bei kontinuierlicher Aufzeichnung (im Freien mit gutem Empfang) spielen diese Hilfsdaten aber eine geringere Rolle.
  • Störeinflüsse und Empfang: In schwierigen Umgebungen (siehe nächster Abschnitt zu Fehlerquellen) können die Unterschiede sichtbar werden. Eine Uhr mit leistungsstarker Antenne oben am Handgelenk empfängt auch in verwinkelten Trails oder dichten Wäldern oft noch ausreichend Satellitensignale, während ein Smartphone in der Gesässtasche stärker abgeschirmt ist und ggf. öfter das Signal „verliert“. In urbanen Häuserschluchten sind jedoch beide Gerätetypen gefordert – hier profitiert, wer Multi-GNSS und Dual-Band an Bord hat. Einige Tests zeigen, dass speziellere Outdoor-Uhren etwas robuster gegenüber Störungen sind. Andererseits können Smartphones durch die erwähnten Hilfsdaten manchmal trotz schwachem GPS-Empfang noch eine Position anzeigen (wenn auch ungenau). Insgesamt gilt: Offener Himmel = beide gut; grenzwertiger Empfang = leichte Vorteile für hochwertige Sportgeräte, da diese für genau solche Szenarien entwickelt wurden.
  • Abtastrate und Aufzeichnungsintervall: Sportuhren loggen standardmässig jede Sekunde einen GPS-Punkt (oder bieten zumindest die Option dazu). Dadurch entsteht eine dichte Track-Aufzeichnung, die die tatsächliche Route eng nachzeichnet. Smartphones bzw. Fitness-Apps hingegen verwenden oft adaptive Abtastraten, um Akku zu sparen – z.B. Position alle 4–5 Sekunden oder abhängig von der zurückgelegten Distanz/Geschwindigkeit. Weniger häufige Updates können zu einem „eckigeren“ Track und leichten Distanzabweichungen führen, da zwischen zwei Punkten einfach eine Gerade angenommen wird. Viele Sportuhren bieten zwar auch einen Sparmodus, aber im Normalfall ist 1s-Logging Standard. Kurzum: Für gleichmässige Bewegungen mag das Handy ausreichen, aber bei Intervalltrainings, vielen Kurven oder Stop-and-Go erfasst eine Sportuhr die Details oft lückenloser.

Smartphones sind heute erstaunlich präzise und dank Multi-GNSS in typischen Situationen (Jogging im Park, Radweg) völlig ausreichend. Die Unterschiede zeigen sich im Grenzbereich: Wer in schwierigen Geländen unterwegs ist oder seine Leistungsdaten möglichst exakt will, profitiert von den spezialisierten Hardware-Komponenten, Algorithmen und Sensoren einer guten Sportuhr. Diese ist dafür gebaut, dauerhaft GPS zu loggen, auch mal 5 Stunden am Stück, und dabei stabile Ergebnisse zu liefern – während ein Smartphone primär ein Kommunikationsgerät ist, das GPS nebenbei erledigt und stärker Kompromisse eingeht (Energiesparen, Alltagsnutzung). Nicht zuletzt spielt die Akkulaufzeit eine Rolle: Ein Sport-GPS kann meist 10+ Stunden tracken, wo ein Handyakku ggf. schon vorher schlapp macht. Dafür hat man das Smartphone fast immer dabei. Es kommt also auf den Anwendungsfall an – bei wichtigen Wettkämpfen oder Gebirgstouren setzen ambitionierte Nutzer aber meist auf dedizierte Geräte, weil sie deren Zuverlässigkeit schätzen.

Einflussfaktoren: Typische Fehlerquellen und Genauigkeit

Kein GPS-Track ist perfekt – verschiedenste Umwelt- und Signalbedingungen können die Messgenauigkeit beeinträchtigen. Hier sind die wichtigsten Einflussfaktoren und Fehlerquellen, die erklären, warum ein Track mal ungenau werden kann:

  • Sicht zum Himmel: GPS funktioniert am besten mit freier Sicht zum Himmel (min. 15° Elevation über dem Horizont ringsum). Hohe Gebäude (Häuserschluchten) blockieren oder reflektieren Signale – in Innenstädten „springt“ die Position daher häufig oder kann um zig Meter versetzt sein. Natürliche Schluchten und Täler haben einen ähnlichen Effekt: Zwischen Bergflanken oder in engen Tälern ist oft nur ein kleiner Himmelsausschnitt sichtbar, sodass weniger Satelliten verfügbar sind und das Signal an Felswänden reflektiert wird. Ergebnis: schlechtere Genauigkeit oder kurzzeitiger Signalverlust.
  • Dichter Wald und Blätterdach: Bäume dämpfen GPS-Signale erheblich. In Wäldern – besonders bei nassem Laub oder Nadelwald – kann das Signal so geschwächt werden, dass die Positionsgenauigkeit sinkt oder das Gerät nur noch unregelmässig Punkte erhält. Zudem verursachen dichte Baumkronen Multipath-Effekte, da die Signale an Ästen gebrochen werden. Gute Geräte erkennen dies teilweise und filtern das Rauschen, aber eine Abweichung von einigen Metern ist im Wald normal.
  • Innenräume, Tunnel, Unterführungen: Unter Dach dringt GPS kaum durch. In Gebäuden hat man meist keinen Empfang – das Smartphone greift dann eventuell auf WLAN/Mobilfunkortung zurück, was aber für Tracking unbrauchbar ist. In Tunneln oder U-Bahn-Stationen fällt GPS komplett aus. Sportuhren pausieren idealerweise die Distanzmessung oder extrapolieren über Sensoren (Schrittzähler) im Tunnel. Dennoch entstehen bei GPS-Tracks durch Tunnel oft gerade Linien (zwischen letztem und nächstem GPS-Punkt), die natürlich nicht der realen Strecke entsprechen.
  • Abschattung durch Körper oder Gegenstände: Interessanterweise kann selbst der menschliche Körper GPS-Signale abschirmen, da er zu ~70% aus Wasser besteht (Wasser absorbiert Mikrowellen). Trägt man z.B. ein Handy in der Hand und hält es dicht am Körper, oder läuft man in einer dichten Gruppe von Menschen (z.B. Marathon-Startblock), kann der Empfang schlechter werden. Garmin nennt explizit „GPS in einer dichten Gruppe von Menschen nutzen“ als Genauigkeitsproblem. Dies erklärt, warum manchmal am Start eines Rennens der Track schwankt – um einen herum blocken hunderte Läufer einen Teil der Satellitensicht.
  • Mehrwege-Reflexionen: Wie bereits erwähnt, führen Reflexionen an harten Oberflächen (Häuser, Felsen, Wasserflächen, grosse Fahrzeuge) zu Mehrwegefehlern. Dabei nimmt der Empfänger ein Signal verspätet aus falscher Richtung wahr. Typisches Symptom: Die gezeichnete Route „springt“ plötzlich an einen falschen Ort oder zeigt einen Zack weg vom eigentlichen Weg, bis das Signal sich wieder fängt. In Städten sieht man beispielsweise Tracks, die alternierend von Strassenseite zu Strassenseite hüpfen – verursacht durch Reflexionen an Glasfassaden. Dual-Band-Geräte und Multi-GNSS helfen hier, aber ganz eliminiert wird das Problem nie.
  • Satellitengeometrie (GDOP): Nicht nur wie viele, sondern wo die Satelliten stehen, beeinflusst die Güte einer Positionslösung. Idealerweise sind die verfügbaren Satelliten am Himmel schön verteilt (z.B. einer weit nördlich, einer südlich, einer östlich, einer westlich oben) – dann ist die Geometrieverteilung breit und der sogenannte DOP-Wert (Dilution of Precision) gering. Sind die Satelliten zufällig ungünstig angeordnet (z.B. alle auf einer Seite des Himmels), verschlechtert sich die Genauigkeit deutlich, auch wenn Empfang besteht. Dieses Phänomen erklärt z.B., warum zu manchen Zeiten an einem Ort bessere GPS-Daten möglich sind als zu anderen Zeiten (die Satelliten ziehen ja ihre Bahnen). Professionelle Anwendungen berechnen den GDOP und warten ggf. auf ein besseres „Fenster“. In Sportgeräten wird das weniger sichtbar, da sie immer viele Satelliten gleichzeitig nutzen (Multi-GNSS verringert hier das Risiko einer schlechten Geometrie).
  • Atmosphärische Effekte: Die Ionosphäre und Troposphäre können die GPS-Signale verlangsamen oder ablenken (Refraktion). Die Ionosphärenverzögerung hängt von der Tageszeit und Sonnenaktivität ab und kann zu Fehlern im Meterbereich führen. Einfache Empfänger korrigieren grob über ein Modell, Dual-Frequenz-Empfänger messen die Verzögerung jedoch direkt (siehe Dual-Band) und reduzieren diesen Fehler stark. Wetterbedingungen (starker Regen, dichte Wolken) haben hingegen auf GPS im L-Band wenig Einfluss – das Signal durchdringt Wolken nahezu ungehindert, anders als z.B. Satellitenfernsehen, das bei Starkregen ausfällt.
  • GPS-Drift und Rauschen: Selbst unter idealen Bedingungen ist eine GPS-Position nie völlig exakt, sondern schwankt immer leicht um den wahren Wert. Dieses Grundrauschen liegt bei guten Geräten im Bereich von 3–5 m. Hersteller wie Garmin geben für Sportuhren ~3 m Genauigkeit in 95% der Messungen an. Die kleinen Abweichungen führen zu dem Phänomen des GPS-Drifts: Steht man still, „wandert“ der aufgezeichnete Punkt langsam umher. Für den Nutzer kann das so aussehen, als würde der Track unmotiviert hin- und herspringen. Ausserdem summiert das Gerät diese minimalen Positionsänderungen unter Umständen zu Distanz auf – sodass man im Stand weiterhin Meter „zurücklegt“. Garmin gibt an, dass bei normalem GPS-Drift pro Minute Stillstand etwa bis zu 180 m Strecke fälschlich gezählt werden können, wenn man die Aufzeichnung nicht pausiert! Dieses Zahlenbeispiel verdeutlicht den Einfluss des Rauschens. In der Praxis mitigieren viele Geräte das, indem sie unter einer gewissen Geschwindigkeit die Distanzzählung stoppen oder eine Auto-Pause anbieten (siehe Interpretation). Dennoch: Ein paar Meter Ungenauigkeit pro Kilometer sind völlig normal.

Wie genau ist also GPS-Tracking? Unter optimalen Bedingungen (freie Sicht, Multi-GNSS) kann man von ~3 m horizontaler Genauigkeit ausgehen. In dichten Städten oder Wäldern können die Abweichungen auf 10 m und mehr anwachsen. Höhenangaben per GPS sind tendenziell ungenauer (oft ±10 m oder mehr) aufgrund der ungünstigeren Geometrie – hier verbessert ein Kalibrier-Höhenmesser die Lage deutlich. Insgesamt liegt die Distanzmessung bei Laufuhren erfahrungsgemäss im Bereich 1–3% Fehler. Das heisst, ein offiziell vermessener 10-km-Lauf wird häufig mit ~10,1 km aufgezeichnet (leicht „zu lang“). Diese leichte Überdistanz kommt u.a. durch zig kleine Zickzack-Abweichungen zustande (systematic overestimation). Wichtig: Das sind typische Abweichungen, keine Garantien – je nach Umständen kann es auch mal besser (oder schlechter) sein. Mit den folgenden Tipps kann man aber die bestmögliche Genauigkeit aus seinem Gerät herausholen.

Warum sind Dual-Band und Multi-GNSS für Sportler wichtig?

Wer ambitioniert Sport treibt – sei es Trailrunning im Gebirge, Radfahren im Wald oder der City-Marathon – wird von den modernen GNSS-Features Multi-GNSS (mehrere Satellitensysteme) und Dual-Band (mehrere Frequenzen) profitieren. Hier die Gründe, warum diese Technologien gerade im Sport-Kontext so relevant sind:

  • Besserer Empfang in schwierigen Umgebungen: Beim Sport ist man nicht immer auf dem freien Feld. Gerade Läufer und Biker durchqueren oft abwechslungsreiches Gelände – heute Parkallee, morgen Häuserschlucht, übermorgen Bergpfad. Multi-GNSS sorgt dafür, dass stets möglichst viele Satelliten am Himmel zur Verfügung stehen. Gerät GPS allein in einen Abschattungsbereich, liefern vielleicht Galileo oder BeiDou noch Signale aus anderem Winkel. Das erhöht die Verfügbarkeit des Signals. Dual-Band wiederum hält die Positionslösung stabil, selbst wenn Reflexionen auftreten oder die Ionosphäre z.B. in den Bergen starken Einfluss nimmt. Die Position driftet weniger und bleibt genauer, wo Single-Band-Empfänger evtl. an Genauigkeit verlieren würden. Für den Sportler heisst das: Der Track wird durchgehend aufgezeichnet, selbst in sonst problematischen Passagen (dichter Wald, Innenstadt), und grosse Ausreisser werden reduziert.
  • Genauere Pace- und Distanzmessung: Insbesondere bei Intervallen oder Wettkämpfen achten Athleten auf präzise Pace-Angaben. Wenn das GPS jedoch ungenau ist, kann die aktuelle Pace springen oder die Distanz am Ende nicht stimmen. Dual-Band-GPS bietet hier deutlich mehr Konstanz. Ohne Dualband besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Kurven abgeschnitten und die Distanz dadurch verkürzt wird – was z.B. bei einem Trailrun mit vielen Serpentinen fatal wäre, wenn die Uhr am Ende 1 km weniger misst. Multi-Band-GNSS liefert eine saubere Streckenabdeckung, sodass Tempoangaben und Split-Zeiten stimmen. Sportuhren mit Dualband zeigen z.B. auch in der Innenstadt flüssigere Pacewerte, während ältere Modelle da gerne mal von 4:30 auf 6:00 min/km sprangen, nur weil das Signal kurz litt. Für ambitionierte Läufer ist das ein grosser Vorteil, da Trainingserfolge genauer messbar werden.
  • Weniger „GPS-Aussetzer“ in Aufzeichnungen: Jeder kennt es – in der Analyse des Laufes findet man plötzlich einen Ausschlag, wo man angeblich durch den See gelaufen ist oder 100 m abgekürzt hat. Multi-GNSS und Dual-Frequenz reduzieren solche groben Patzer deutlich. Natürlich können auch damit Fehler passieren, aber die Robustheit steigt. Gerade bei längeren Ausdauer-Events (Ultraläufe, Marathons) summieren sich kleine Ungenauigkeiten. Mit hochpräzisem GNSS hat man am Ende eine exaktere Gesamtdistanz. Das kann über Sieg oder Niederlage entscheiden, wenn es z.B. um Navigationsrennen geht (Stichwort Orientierungslauf – hier zählen Meter).
  • Zukunftssicherheit: Die GNSS-Welt entwickelt sich weiter. Mehr Galileo-Satelliten kommen, GPS schaltet neue Signale frei, und Dienste wie das europäische Korrektursystem EGNOS verbessern die Genauigkeit. Ein Gerät, das Multi-GNSS-fähig ist, kann diese Verbesserungen nutzen. Viele aktuelle Uhren lassen z.B. firmware-seitig neue Satellitensysteme hinzufügen. Für Sportler, die ihr Gerät mehrere Jahre nutzen, ist das ein Plus – man ist bereit für kommende Genauigkeitssteigerungen.

In Summe gilt: Multi-GNSS + Dual-Band = Maximale Positionsqualität, was gerade im Sport die Tracktreue und Metrik-Genauigkeit erhöht. Wenn man also viel in herausfordernder Umgebung trainiert (Grossstadt, Trails) oder einfach den genauesten Track möchte, sollte man ein Gerät mit diesen Fähigkeiten in Betracht ziehen. Im nächsten Abschnitt schauen wir uns noch an, wie die Track-Aufzeichnung beeinflusst werden kann (Stichwort Aufzeichnungsintervall und Glättung).

Trackaufzeichnung: Smart Recording vs. 1-Sekunden-Intervall & Glättung

Neben der reinen GNSS-Technik spielt auch die Art der Datenaufzeichnung eine Rolle für die Genauigkeit eines Tracks. Zwei wichtige Aspekte sind hier das Aufnahmeintervall (regelmässig jede Sekunde oder „smart“) und nachträgliche Glättungen/Filterungen des Tracks.

  • Intelligente Aufzeichnung („Smart Recording“) vs. 1‑Sekunden-Intervalle: Einige Sportuhren (und ältere GPS-Geräte) bieten einen Modus, bei dem nicht jeder Sekundenpunkt gespeichert wird, sondern nur „wichtige“ Punkte. Ziel war es historisch, Speicherplatz zu sparen und die Akkulaufzeit zu verlängern. Im Smart Recording-Modus werden Datenpunkte in unregelmässigen Abständen geloggt – nämlich nur dann, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zum Beispiel speichert die Uhr einen neuen Punkt, wenn sie eine spürbare Änderung der Bewegungsrichtung feststellt, oder wenn sich Geschwindigkeit, Herzfrequenz oder Höhe signifikant ändern. Bleibt man eine Weile konstant geradeaus mit gleichbleibendem Tempo, könnten entsprechend weniger Punkte gesetzt werden. Moderne Geräte haben zwar ausreichend Speicher, doch teils ist Smart Recording aus Kompatibilitätsgründen noch als Option (oder Standard) vorhanden. Nachteil: Durch das Auslassen von Punkten können feine Details verloren gehen. Insbesondere Start/Stop-Punkte oder scharfe Kurven könnten „abgerundet“ werden, weil vielleicht genau dort kein Punkt gespeichert wurde. Das führt zu kleinen Distanzfehlern – etwa kann ein Smart-Recording-Track eine 90°-Kurve als leichte Diagonale abkürzen. Für Alltagsläufer mag das kaum auffallen, aber in Wettkampfsegmenten kann es die Zeitnahme beeinflussen. Deshalb empfehlen Experten oft, die Aufzeichnung auf 1 Sekunde zu stellen, sofern Akkulaufzeit und Speicher es zulassen. Bei neuen Uhren ist das meist ohnehin der Standard, während ältere Garmin-Geräte teils im Smart-Modus werkseitig liefen. Übrigens: Mittlerweile verbraucht 1s-Logging dank effizienter Chips kaum mehr spürbar Akku – der historische Vorteil von Smart Recording ist also fast obsolet.
  • Glättungs-Algorithmen: Ein Aspekt, der weniger offensichtlich ist: Wie die aufgezeichneten GPS-Punkte zu einer Strecke verbunden und eventuell geglättet werden. Roh betrachtet könnten aufeinanderfolgende GPS-Fixpunkte ein wildes Zickzack ergeben, weil das Signal leicht um den echten Wert streut. Viele Sportuhren und Apps verwenden daher einen Smoothing-Algorithmus, um den Track optisch und metrisch zu verbessern. Konkret wird versucht, aus der Abfolge von Punkten die wahrscheinlich tatsächliche Bewegung zu rekonstruieren. Einfache Methode: kleine Ausreisser herausmitteln, so dass ein halbwegs glatter Pfad entsteht. Problem: Wenn man zu stark glättet, kann man echte Richtungsänderungen „verschlafen“. Die Uhr könnte annehmen, man läuft geradeaus weiter, obwohl man tatsächlich abgebogen ist – bis das Ausmass der Abweichung gross genug wird und die Software „merkt“, dass da doch eine Kurve war. Dann wird die Kurve im Track vielleicht abgeschnitten dargestellt. Ein Beispiel sind 400-m-Laufbahnen: Hier laufen Athleten enge Kurven. Viele GPS-Uhren zeichnen auf der Bahn tendenziell zu kurze Distanzen auf (z.B. 390 m statt 400 m pro Runde), weil der Glättungsalgorithmus die engen Richtungswechsel nicht vollständig mitbekommt und die Rundenecken abkürzt. Andersherum verhindert die Glättung aber, dass der Track beim Geradeauslauf völlig hin- und herzittert wie ein „betrunkener Zickzackkurs“. Es ist also ein Balanceakt. Die genaue Funktionsweise der Filter ist meist ein Betriebsgeheimnis der Hersteller, jedoch lässt sich beobachten: Garmin glättet moderat (teils werden Strecken minimal kürzer gemessen), Polar glättete in älteren Modellen stärker (was zu merklicher Unterdistanz führte), und Apple nutzt bei der Watch sogar KI-Modelle, um den Track im Nachhinein zu optimieren. Wichtig zu wissen: Glättung beeinflusst die Trackdarstellung und Distanzmessung. Wenn deine aufgezeichnete Route also sehr „sauber“ entlang einer Strasse verläuft, könnte auch ein Algorithmus nachgeholfen haben (etwa map-matching auf dem Strassenlayer, was viele Navigations-Apps tun). Für Sportuhren versuchen die Hersteller allerdings, den Spagat zu schaffen: Einerseits Rauschen unterdrücken, andererseits echte Bewegungen nicht verfälschen.

Beispiel Smart vs. 1s vs. geglättet: Nehmen wir an, du fährst Rad und hältst gleichmässiges Tempo auf einer kurvigen Passstrasse. Eine Uhr im 1s-Modus setzt jede Sekunde einen Punkt – der Track wird die Kurven fein auflösen. Im Smart-Modus hingegen setzt das Gerät vielleicht nur an jeder grösseren Kehre einen Punkt; dazwischen interpoliert die Strecke gerade – im Extremfall könnten Serpentinen „geschnitten“ werden. Wird dann noch eine starke Glättung angewandt, könnten die Kurvenradien weiter begradigt werden. Die Folge: Die Gesamtstrecke wird merklich kürzer gemessen als tatsächlich. Für präzise Auswertung sollte man daher immer 1s-Logging nutzen. Smart Recording ist eher für Gelegenheiten gedacht, wo Speicher knapp oder die Strecke nebensächlich ist (heute praktisch kein Szenario mehr).

Zum Glück haben viele neuere Geräte Smart Recording abgeschafft oder verstecken es tief im Menü. Sollte deine Sportuhr die Option bieten, empfiehlt es sich, auf „jede Sekunde“ zu stellen – die Akkueinbusse ist minimal, die Datenqualität höher.

GPS-Daten interpretieren: Sprünge, Abkürzungen und andere Auffälligkeiten

Wenn man seine aufgezeichneten GPS-Tracks analysiert (sei es auf Strava, Garmin Connect oder einer anderen Plattform), stösst man bisweilen auf ungewöhnliche Trackverläufe. Hier ein paar typische Phänomene und Tipps, wie man sie deuten sollte:

  • Leichte Distanzabweichungen akzeptieren: GPS ist nie 100% exakt. Es ist normal, dass ein offiziell vermessener Lauf (z.B. 5,00 km) auf der Uhr als 5,05 km oder 4,95 km erscheint. Typischerweise liegt die Abweichung um etwa ±1% der Strecke. Das heisst nicht, dass die Strecke falsch oder das Gerät „schlecht“ ist – es ist einfach Messungenauigkeit. Bei Wettkämpfen planen viele Veranstalter diese Toleranz ein (die meisten Laufuhren messen etwas zu viel). Also: Keine Panik, wenn die Marathonuhr 42,8 km zeigt – du bist nicht „zu viel“ gelaufen, sondern das GPS hat ein wenig addiert.
  • Plötzliche GPS-Sprünge im Track: Manchmal sieht man im Routenverlauf spitze Ausschläge oder Teleportation-artige Versätze. Ursache sind meist Signalfehler wie Mehrwegeempfang oder kurzer Ausfall. Zum Beispiel in der Innenstadt kann das GPS einen für einige Sekunden auf eine parallele Nebenstrasse springen lassen (Reflexionen an Gebäuden). Solche Ausreisser erkennt man oft daran, dass unrealistisch hohe Geschwindigkeiten kurzzeitig berechnet wurden (z.B. 100 km/h Jogging-Tempo). Ein einzelner Sprung lässt sich später aus der Strecke entfernen (viele Portale glätten das automatisch). Wichtig ist, dass man weiss: Derartige Sprünge sind technische Artefakte, keine echten Bewegungen. Wenn dein Track also quer über ein Hausdach geht, obwohl du unten auf der Strasse liefst, dann war kurz das Signal unzureichend. Insbesondere dichte Bebauung und Tunnel erzeugen solche Fehler. Hier hilft es, ein paar Sekunden zu warten, bis sich das Signal stabilisiert hat, wenn möglich.
  • Abgeschnittene Kurven und Abkürzungen: Wenn dein aufgezeichneter Weg Kurven glättet (so als seist du innen durch die Kurve gefahren/gelaufen), liegt das entweder an zu niedriger Punktdichte oder an einer Algorithmus-Glättung (siehe vorheriges Kapitel). Gerade bei älteren Aufzeichnungen mit 5-sekündigem Intervall passiert es, dass z.B. Serpentinen nur grob eckig abgebildet sind – das Gerät hat schlicht die Form nicht mit genug Punkten eingefangen. Eine starke Glättung kann ebenfalls Ecken abkürzen. Interpretation: Deine tatsächliche Strecke war etwas länger als der Track. Für Orientierungszwecke ist das egal, aber für genaue Tempoberechnungen muss man es im Hinterkopf behalten. Moderne Uhren im 1s-Modus schneiden jedoch kaum noch Kurven – wenn doch, könnte es an aggressiver Filterung liegen (einige Plattformen lassen sich „Originaldaten“ vs. „geglättet“ anzeigen).
  • „Schlangenlinie“ trotz gerader Strecke: Andersherum gibt es Fälle, wo du in Realität geradeaus gelaufen bist, aber der Track kleine Schlenker zeigt. Das ist meistens GPS-Rauschen, sprich das Signal hat minimal variiert, was der Track als zickzack darstellt. Oft sieht man das bei langsamem Gehen oder im Wald: der Track wackelt links/rechts um den Weg herum. Diese Schlängellinien können zu einer leichten Überdistanz führen, weil das Hin- und Her als extra Meter gezählt wird. Viele Algorithmen glätten das (zum Glück) teilweise. Wenn du aber einen sehr zitterigen Track hast, war evtl. der Empfang schlecht. Tipp: In dichtem Wald ggf. die Uhr etwas vom Körper weghalten (z.B. am Rucksack-Schultergurt befestigen), damit sie bessere Sicht hat. Das kann die Schlangenlinien vermindern.
  • GPS-Drift im Stand: Wie oben beschrieben, bewegt sich die GPS-Position auch im Stillstand leicht. Wenn du also während einer Aufzeichnung länger anhältst (Pause an der Ampel, Aussicht geniessen etc.), kann es sein, dass dein Track einen Kringel malt oder ein chaotisches Muster an der Pausenstelle. Ausserdem kann dadurch fälschlich Distanz addiert werden. Tipp: Nutze bei Pausen die Auto-Pause-Funktion deiner Sportuhr (falls vorhanden) oder stoppe die Aufzeichnung manuell, wenn Genauigkeit oberste Priorität hat. So verhinderst du, dass 5 Minuten Stehen mit 100 m „Bewegung“ belohnt werden. Nach dem Wiederloslaufen wieder starten – moderne Geräte fangen das GPS-Signal meist schnell wieder ein.
  • Höhen-Daten hinterfragen: GPS-Höhenmeter sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Wenn du keinen Barometer in der Uhr hast, können die aufgezeichneten Auf-/Abstiege massiv falsch sein – z.B. zeigt ein flacher Lauf plötzlich +200 m Höhengewinn, obwohl es kaum bergauf ging. Das kommt durch GPS-Höhendrift und Fehler in der Höhenberechnung. Sportplattformen wie Strava bieten teilweise Höhendaten-Korrektur an: Dabei wird dein GPS-Track mit einem Geländemodell abgeglichen, um realistischere Höhen zu bekommen. Wenn deine Uhr allerdings einen barometrischen Sensor hat, vertraue eher diesen Daten – sie sind meist genauer, solange der Sensor kalibriert war. Achte darauf, ob dein Gerät automatisch Höhen kalibriert (oft per GPS am Startpunkt oder via bekannte POIs). Interpretations-Tipp: Kleine Huckel im Höhenprofil können Rauschen sein; schau mehr auf die Gesamt-Höhenmeter. Wenn du z.B. im Flachland läufst und die Uhr +50 m anzeigt, kannst du das ignorieren – das war GPS-Rauschen.
  • Abgleich mit der Karte: Ein nützlicher Trick zur Interpretation ist, den Track auf einer Sat-Karte oder Wegkarte zu betrachten. Viele Abweichungen relativieren sich, wenn man sieht: „Aha, der Punkt liegt zwar neben der Strasse, aber das ist wegen der Häuserschlucht.“ Oft „snappen“ Smartphone-Apps im Navigationsmodus den Marker auf die nächste Strasse, um das für den Nutzer zu kaschieren. Beim aufgezeichneten Track wird jedoch nichts derart korrigiert – er zeigt die rohen (oder nur leicht geglätteten) GPS-Daten. Sollte also etwas total unplausibel aussehen, ist es meist ein Fehler, kein Wunderteleport. Vergleiche ggf. mehrere Runden: wenn immer an derselben Stelle ein Sprung ist, liegt es vermutlich an einem lokalen Störfaktor (viele Metalldächer? Funkmast?).

Kurzum: Kenne die Limits deiner GPS-Daten. Ein Track ist nie perfekt massstabsgetreu – er ist eine Annäherung. Für die meisten Zwecke (Strecke nachverfolgen, Training loggen) ist die Präzision ausreichend hoch. Doch man sollte nicht jedes Zacken überinterpretieren. Wenn etwas komisch aussieht, ist meist ein technischer Grund die Ursache. Und wenn du maximale Genauigkeit brauchst, nutze die genannten Tipps: gute Sicht, Zeit zum Signal-Fix lassen, Dual-Band an in schwierigen Abschnitten, Pause-Funktion nutzen, etc. Dann erhältst du die bestmöglichen Daten.

Was zeichnet gute GPS-Tracking-Hardware aus?

Abschliessend wollen wir zusammenfassen, worauf es bei guter GPS-Tracking-Hardware ankommt – sei es für die nächste Sportuhr oder das Smartphone:

  1. Multi-GNSS-Unterstützung: Ein modernes Gerät sollte auf mehrere Satellitensysteme (GPS, Galileo, GLONASS, BeiDou) zugreifen können. Das erhöht die Satellitenabdeckung und Zuverlässigkeit spürbar, besonders in urbanen oder schwierigen Umgebungen. Multi-GNSS ist heute in fast allen aktuellen Smartphones und Sportuhren der Mittel- und Oberklasse Standard.
  2. Dual-Band-GNSS (Multiband): Für höchste Genauigkeit ist Dual-Frequenz-Empfang ein grosser Pluspunkt. Gute Sportuhren ab 2022 bieten Dual-Band-GPS, was messbar präzisere Tracks liefert und Probleme wie Ionosphärenfehler und Multipath mindert. Wer Wert auf sehr genaue Pace und Distanz legt (z.B. Wettkampf- oder Trail-Athleten), sollte zu einer Dualband-fähigen Uhr greifen.
  3. Hochwertige Antenne und Empfangsdesign: Die beste GNSS-Elektronik nützt wenig, wenn die Antenne schlecht ist. Qualitativ gute Geräte erkennt man oft am durchdachten Antennendesign – etwa Keramikpatch-Antennen oder metallische Uhrenlünetten, die als Antenne dienen. Diese ermöglichen einen stabilen Empfang selbst in schwieriger Lage. Ein Smartphone in einer dicken Schutzhülle oder am Arm befestigt kann hier im Nachteil sein. Achte also auf Erfahrungsberichte zur GPS-Empfangsqualität eines Geräts.
  4. Barometrischer Höhenmesser: Für alle, die Höhenmeter sammeln (Läufer, Radler, Wanderer), ist ein integrierter Barometer ein Muss. Gute Sportuhren haben einen barometrischen Sensor, der automatisch mit GPS fusioniert wird. Das ergibt verlässliche Höhenangaben und verhindert Fehlmessungen durch GPS-Höhendrift. Im Berggelände oder bei Treppenläufen wirst du den Unterschied sofort merken.
  5. Sensorfusion & Algorithmen: Top-Modelle setzen auf kluge Software: Sie filtern GPS-Daten, nutzen Bewegungssensoren zur Ergänzung und haben Funktionen wie automatisches Pausieren und intelligente Neuberechnung. Diese Algorithmen tragen viel zur Endqualität bei. Eine „gute“ GPS-Uhr erkennt z.B. dank Gyro, dass du auf der 400-m-Bahn läufst, und liefert nahezu bahnkorrekte Distanzen (Garmin Track Run Feature). Achte also auf solche Features, wenn du auf Präzision aus bist.
  6. Flexibles Aufzeichnungsintervall: Im besten Fall loggt das Gerät jede Sekunde Daten oder bietet zumindest die Option dazu. Einige neuere Modelle wählen automatisch dynamisch (z.B. SatIQ). Wichtig ist: Du solltest nicht durch lückenhaftes Logging Genauigkeit einbüssen müssen. Gute Geräte verzichten daher auf starres Smart Recording oder setzen es nur ein, wenn der Nutzer es wünscht (z.B. im Ultratrac-Batteriemodus).
  7. Akkulaufzeit und Performance: Ein herausragendes GPS-Tracking-Gerät schafft den Spagat aus Genauigkeit und Ausdauer. Dual-Band und Multi-GNSS beanspruchen den Akku mehr, doch Highend-Uhren wie die Garmin Fenix oder Coros Vertix liefern dennoch über 20-30 Stunden Laufzeit im vollen GNSS-Modus. Das ist Merkmal guter Hardware – sie nutzt energieeffiziente Chips und grosse Akkus. Gerade für Ultras und Mehrtagestouren wichtig: im Energiesparmodus sollte die Uhr immer noch eine annehmbare Aufzeichnungsqualität bieten (etwa per FusedTrack o.Ä.).

Zusammengefasst bietet gute GPS-Tracking-Hardware also: Empfangsstärke, Präzision (durch Multi-GNSS/Dualband), zusätzliche Sensoren (Barometer, Gyro) für Komplettinformationen, clevere Software zur Datenverarbeitung und ausreichend Akku für deine längsten Einheiten. Die aktuelle Generation an Sportuhren und auch Highend-Smartphones hat hier enorme Fortschritte gemacht. So erreichen z.B. hochwertige Laufuhren heute oft eine Genauigkeit von ~3 m unter guten Bedingungen – ein Wert, der vor einigen Jahren im Consumer-Bereich noch utopisch schien. Für dich als Nutzer bedeutet das: Du kannst dich auf deine Trackaufzeichnung weitgehend verlassen. Natürlich bleibt GPS ein Funksystem und keine millimetergenaue Vermessung – doch mit dem richtigen Gerät am Handgelenk werden deine Läufe, Radtouren und Wanderungen verlässlich und genau getrackt, sodass du dich ganz auf den Sport konzentrieren kannst. Viel Spass beim Training – und allzeit guten GPS-Empfang!

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